Archiv der Kategorie: Graphisches Log

This is mine. All mine

Wilhelmsburg Ulm

14 x 45 m

2018

THIS IS MINE. ALL MINE ist eine ortsspezifische Installation für die geschichtsträchtige Wilhelmsburg in Ulm.
Die Arbeit untersucht die Frage, wem dieses Kulturdenkmal mit besonderer nationaler Bedeutung gehört.
Der Schriftzug THIS IS MINE. ALL MINE ist auf die Oberfläche der Burg installiert. Was zunächst einem aufgedrückten Stempel einer unwiderruflichen Aussage gleicht, entwickelt sich im Verlauf der Betrachtung zu einer umfassenden Frage:
Wem gehört der öffentliche Raum? Wem gehört ein nationales Kulturdenkmal? Wem gehört letztendlich die Burg?


Projektphotos (c) Edward Beierle

Schönheimat

Schönheimat

2016


Schönheimat spürt der Topographie des Gefühls von Heimat nach. Mit universalen Werten setzt die Arbeit das Heimatgefühl Münchner Jugendlicher im Norden der Stadt in den Mittelpunkt, um von dort aus Begriffe wie Verwurzelung, Bindung und Identität zu thematisieren. Textinstallationen markieren ausgewählte Orten, an denen Heimat für die Jugendlichen spürbar ist.


Werte. Textinstallation


Heimat ist kein Ort mehr. Installation

Portraits

Multitasking

Multitasking

2016


Die Dia-Text-Installation „Multitasking“ vermittelt einen Eindruck davon, wie Menschen mit Autismus den öffentlichen Raum erfahren. Die Installation nähert sich der autistischen Wahrnehmung großstädtischer Geschwindigkeit, starker Geräuschkulisse und permanenter Ausgesetztheit in einem bewegten Bild.

Multitasking conveys an impression of how people with autism experience public space in Munich. The installation approaches the autistic perception of the urban tempo, high background noise and permanent feeling of exposure in a moving image.


Der Stoff aus dem die Träume sind

2015

Graphisches Log Pasing


Welche Gefühle bewegen uns, wenn wir den privaten Raum verlassen und Teil des oftmals unkalkulierbaren Geschehens im öffentlichen Raum werden? Im Vorfeld ihres Projekts bat Silvia Wienefoet Menschen mit und ohne Behinderung, zu dieser Frage Tagebuch zu führen. Ausschnitte dieser Notizen wurden auf T-Shirts gedruckt. Lediglich Vorname und Alter geben Hinweise auf Generation und Geschlecht des Autors/der Autorin. „Der Stoff aus dem die Träume sind“ konnte während der Projektzeitt kostenlos übernommen werden. Einzige Auflage: Die T-Shirts mussten vor Ort im Projektraum angezogen werden. Die Ausstellung hat während der Projektzeit den Ausstellungsraum verlassen und ist in den öffentlichen Raum übergegangen. 111 Stoffe aus dem die Träume sind eroberte so den öffentlichen Raum und macht die Gefühle von Menschen mit und ohne Behinderung für jedermann sichtbar.


Leuchtfeuer

Graphisches Log Schöppingen

2014

Wenn abends die Sonne untergeht, beginnt das Leuchtfeuer von der Kraft des Ortes und der BewohnerInnen Schöppingens zu erzählen. Leuchtfeuer ist eine skulpturale Anordnung, die eine LED Anzeige, Photovoltaikmodule und Akkus miteinander vereint. Die Photovoltaikmodule wandeln Sonnenenergie in elektrische Energie. Die elektrische Energie wird im Akku in chemische Energie umgewandelt und dort gespeichert. Nachts wird die chemische Energie im Akku in elektrische Energie umgewandelt und speist die LEDs, die die elektrische Energie in Lichtenergie zurückwandeln Die Arbeit Leuchtfeuer ist im öffentlichen Raum Schöppingen installiert, speichert tagsüber Sonnenenergie, um damit abends das LED-Laufschriftmodul zum Leuchten zu bringen. Die Gespräche mit SchöppingerInnen und BewohnerInnen des Künstlerdorfes zu dem Themenfeld Kraft und Energie bilden die Grundlage der Installation. Die Gespräche erzählen von persönlicher Kraft, Kraftquellen und den individuellen Energieressourcen. Ausschnitte aus diesen Gesprächen werden im Original wiedergegeben, lediglich die Auswahl und die Anordnung choreographiert die Künstlerin. Vorname und Altersangabe geben Rückschluss auf Geschlecht und Generation der Person. Die Synergie von Sonnenenergie und der Kraft der BewohnerInnen bündelt sich in dieser skulpturalen Anordnung als Kraft Schöppingens in einen sich selbst vermehrenden Energiekreislauf. Leuchtfeuer erzählt weit über den Berg hinaus von der Kraft Schöppingens. Der technische Aufbau der skulpturalen Anordnung ist mit der in Heek/Westf. Firma Gausling und der Firma ABN Trafobau aus Nienborg/Westf. entwickelt und realisiert worden Die Gestaltung der Arbeit ist gemeinsam mit dem Architekten Ralph Walczyk entwickelt worden. Ralph Walczyk, geboren in Straubing, lebt und arbeitet in München. Das Projekt Leuchtfeuer wurde im Rahmen des KWW Stipendiums realisiert, gefödert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW.Das Projekt wurde ebenso großzügig durch die Bürgerstiftung und der Gemeinde Schöppingen unterstützt.

BrownBear

BrownBear

2014


Die Installation „BrownBear“ bespielt die baufällige Fassade des in Konkurs gegangenen Lederwarenladens Leder-Bibel in Nürnberg. An dem ehemaligen Traditionsgeschäft in dem von Leerstand bedrohten Stadtteil hängt ein LED-Modul, über das Ausschnitte aus Rezensionen von Amazon-Kunden laufen, die im Online-Handel die Damengeldbörse Brown Bear erstanden haben. Die fast zwei Meter lange Installation gibt in roter Leuchtschrift erste Eindrücke und Bewertungen von Käufern und Käuferinnen wieder.


Ich sehe was was du nicht siehst

Polizeipräsidium Recklinghausen
71 Led-Punkte, Gabionengitter

Eine 40 Meter lange und 50 Zentimeter hohe Installation aus LED-Punkten ist über dem Haupteingang des Polizeipräsidiums Recklinghausen angebracht. Der Schriftzug „Ich sehe was was du nicht siehst“ verweist auf das bekannte Kinderspiel, doch leuchten hier keine lateinischen Buchstaben an der Fassade, sondern die für Sehende schwer und für Blinde in diesem Fall gar nicht lesbaren Punkte der Brailleschrift.


Sehenswertes

Cuxhavener Kunstverein

12. April -17.Mai 2013

Kennen sie das? Sobald die ersten Sonnenstrahlen im Frühling alles in freundliches helles Licht tauchen, meint man den Blütenduft zu riechen und die Nase schnuppert sich weg vom fauligem hin zum frischen Grün, dazu: Vogelgezwitscher am Morgen. Unser Hör- und unser Geruchssinn scheinen zu erwachen. Wir brauchen sie für die Arbeit „Sehenswertes“ von Silvia Wienefoet.
Seit Neuestem wehen fünf schwarzblaugelbe Flaggen über Cuxhaven.
Flaggen signalisieren schon von weitem Hoheitsrechte, die Zugehörigkeit oder die Vertretung von Gemeinschaften oder sie sind Warnsignale. Warnt die Elbe 1 mit der neuen Fahne wie ehedem als schwimmender Leuchtturm vor Gefahren? Vor welchen? Als Außenstehender fragt man sich: Was wird hier markiert? Was ist an den fünf Orten, an denen die Flaggen in Cuxhaven stehen, so bedeutsam?
Wir sehen auf dem flatternden Stoff im Wind eine abstrakte zweidimensionale Anordnung von Punkten. Wir können beginnen diese Flagge mit den anderen zu vergleichen: Hier auf der Flagge auf dem Schiff stehen viel mehr Punkte darauf als auf der, dort an der Bucht“. Warum?
Bald ist klar, es geht nicht nur um das entstandene Muster, weder um Morsezeichen, noch wurde etwas gezählt: es handelt sich um die Brailleschrift. Silvia Wienefoet nutzt die Flaggen also im ganz ursprünglichen Sinne: Sie dienen zur visuellen Uebertragung von Informationen über eine grössere Distanz. „Gut, das verstehen wir, das können also Blinde lesen!“ Können sie es? Weit gefehlt! Nein, auch sie können den Code, weil nur sichtbar, aber nicht fühlbar, nicht entschlüsseln. Sowohl der Projekttitel „Sehenswertes“ als auch die Flaggen führen den ‚Verweis auf Etwas‘, das „Zeichen für“ ad absurdum.
Wir suchen also weiter: Auf dem roten Turm, im Schaukasten oder auf der Sitzbank: In unmittelbarer Nähe des Flaggenstandortes befindet sich ein Text – das Rätsel scheint sich dort zu lüften! Doch der vermeintliche Infotext stellt sich als Collage von Buchstabensätzen und Brailleschriftpunkten heraus. Wieder bleibt uns das schnelle Verständnis des ganzen Textes verwehrt. Aber wir erkennen etwa in dem Satz „Die Welle der Maschine ist riesig, ich habe sie anfassen dürfen“ – jemand war hier, hat über sich und diesen Ort gesprochen und Teile davon bekommen wir hier offenbart.
Das Rätsel um die Codes lüftet sich erst im Kunstverein: Silvia Wienefoet hatte Mitspieler: Petra, Johannes, Magnus, Lara und Christian waren die unsichtbaren Protagonisten von Sehenswertes, deren Namen mit Altersangabe nun in der Stadt auf den Fahnen – für niemanden entschlüsselbar, der es nicht weiss – als Punktebild prangen und nachts durch die nachtleuchtende Folienschrift leuchten.
Sie haben ihre Erlebnisse mit und Empfindungen zu den Orten formuliert, Empfindungen, die wir mit unseren Erfahrungen an den Orten vergleichen können.
Warum könnte das interessant sein? Unsere Empfindungen sind subjektiv. Jeder Mensch hat seine eigene Kombination von Sinnesrezeptoren und nimmt die Welt anders wahr. Ein Geräusch kann von einem Menschen als Belästigung wahrgenommen werden, während es ein anderer als nicht störend empfindet. Geschmäcker sind verschieden und Gerüche werden anders wahrgenommen, weil jeder eine andere Kombination von Genen hat, die in der Nase für das Riechen zuständig sind. Man weiss nicht, wie andere wahrnehmen und so gehen wir auch in der Bewertung von Welt immer von unserer persönlichen Wahrnehmung aus, sie ist unsere Wahrheit. Wahrheit setzt umgekehrt immer Wahrnehmung voraus. Es gibt sie nicht ohne den wahrnehmenden Menschen, ohne menschliche Tätigkeit, ohne Anstrengung.
Um den Wahrnehmungen der Protagonisten in Gänze zu folgen legen wir Wege zurück, Wege zwischen den Flaggen, ein Hin und Her zwischen den Orten: Kunstverein, Bucht, Kunstverein, Watt. Wir werden durch ihre aufnotierten Zitate neugierig gemacht auf eigentlich Altbekanntes, an Orten, wo wir schon lang nichts mehr Neues zu sehen glaubten. Hier wie dort, in einer spielerischen Bewegung sind wir auf der Spur, werden von Silvia Wienefoet zu einem Rätselgang verführt, wo sich die Textbausteine sukzessive ergänzen, wo wir aber immer ein Stück unbefriedigt bleiben. Nur um das Zusammenfügen der Texte zu fremden Geschichten kann es also nicht gehen. Der Text vor Ort ist nur Anlass, denn der Betrachter ist mit dem für ihn nicht chiffrierbaren Hinweis mit seiner Wahrnehmung des Ortes allein, so allein, wie man immer mit seiner Wahrnehmung ist, ohne es sich bewusst zu sein. Silvia verführt uns, unsere Welt des Sehens, in der wir so sehr leben, auszubauen, Gerüche, die einen grossen Erinnerungsspeicher darstellen, z.B. bewusst zu schnuppern. Wir können nun der Aufforderung der Arbeit folgen und an Orten des Sehens nun riechen oder an Orten des Hörens nun tasten oder stolpern. Man kann sich aber auch weiter fragen: Was wäre mein Ort der Wahl gewesen in Cuxhaven? Was wäre mir dort wichtig zu sagen? Wahrnehmung ist wesentlich ein Prozess der Identitätsbildung im Erkennen von Welt. Ich identifiziere das, was ich wahrnehme mit dem, was ich kenne und für wahr halte und es entsteht mein ganz persönlicher Film vom Leben. So können wir an den von Silvia errichteten Stationen innehalten und das „Sehenswerte“ daraufhin prüfen, ob es sich von der Floskel im Reiseprospekt für jeden einzelnen von uns in etwas aktuell für uns Wertes, nennen wir es ‚Erkenntnis‘ verwandelt.
Silvia ist für ihre Arbeit tief in die Erlebniswelt von Menschen, die aufgrund einer Sehschwäche andere Sinne verstärkt nutzen, eingetreten, hat Kontakt zu Blindenvereinigungen, und Privatpersonen aufgenommen. Sie hat viele bewegende Geschichten gehört und: sie nicht veröffentlicht! Ihre Haltung, die in der Kunst deutlich wird, bedient in einer Zeit wo Intimstes über die Fernsehkanäle in alle Welt geblasen wird, nicht unsere Sensationslust sie bedient auch nicht unser Mitleid. Denn es geht um Kunst, nicht um Verständnis oder Seelsorge oder Einzelschicksale, sondern um Bilder: Bilder aus Sprache für die Stadt Cuxhaven, Erinnerungsbilder, die im Kopf entstehen, wenn wir die Augen schliessen oder eine kurze Notiz lesen.
Silvia Wienefoet selbst vergleicht ihre Einschreibungen in den öffentlichen Raum gerne mit Twitter, eine digitale Echtzeit-Anwendung zur Verbreitung von telegrammartigen Kurznachrichten im Internet. Auch bei Sehenswertes begegnen wir Zeichen im öffentlichen Raum, die nicht für die Ewigkeit gemacht sind, die sich an alle richten, die vorbeispazieren.
Ihr Werkzeug und ihr Material ist die Sprache, ihre Methode war die Begegnung und Kommunikation.
Ihre Fähigkeit der sympathischen Anteilnehmens, des empathischen Zuhörens und der schnellen frischen Gedankensprünge hat sie bei Sehenswertes mit eingebracht.
Sie konnte eine Vertrauensbasis herstellen, die eine Annäherung an das Fremde, und seien es nur differente Wahrnehmungsintensitäten, braucht.
Aus persönlichen Geschichten hat sie mit einem Schuss Absurdität und Humor jetzt eine Stadt greifende Installation mit zarten und bewegten Markierungen in öffentlichen Raum geschaffen, in der sich die Leitidee des Jahreskonzeptes „34 Knoten“: „Der Kunstverein geht in die Stadt!“ realisiert.

Christine Biehler
Eröffnungsrede am 12.4.2013,
Silvia Wienefoet „Sehenswertes“,
Cuxhavener Kunstverein

Kraftstoff

Graphisches Log Nürnberg

2011

Kraftstoffe sind Unikate: Individuell bestickte Kleidungsstücke, die die Kraft und das Potential des Nürnberger Stadtteil Muggenhofs zeigen. Auf den schlicht schwarzen Oberteilen sind mit grüner Schrift Ausschnitte aus Gesprächen mit BewohnerInnen des Stadtteils über die persönliche Sicht auf eigene Potentiale und die eigene Energie gestickt. Kraftstoffe geben Raum für eigene Sehnsüchte und Träume. Insgesamt wird es 300 verschiedene Kraftstoffe geben, die kostenlos übernommen werden können. Jeder Kraftstoff ist mit dem Logo „Kraftstoff Muggenhof“ versehen und signiert damit die Zugehörigkeit zu dem Projekt. Die „Kraftstoffe“ fädeln sich durch die Übernahme zunächst in das Geschehen des öffentlichen und später des privaten Raums ein, so dass – immer, wenn der Kraftstoff getragen wird – die Grenze zwischen privat und öffentlich überschritten und die Kraft Muggenhofs in die verschiedenen Lebensbereiche getragen wird. Kraftstoff ist ein Projekt von esweerwe – der Münchner Agentur zur Demokratisierung der Gestaltung des öffentlichen Raums in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Choreografin und Tanzpädagogin Alexandra Rauh.